Es ist schon eine Weile her, als Timo, sieben Jahre, zu mir in den Geigenunterricht kam. Timo hatte von sich aus den Wunsch geäußert, Geige zu lernen. Eine tolle Voraussetzung!

Als Timo zu seiner ersten Stunde erschien, fiel mir bereits auf, dass er sehr unruhig war. Sein Blick schweifte unentwegt im Zimmer umher. Auch schaffte er es kaum, mit seiner Aufmerksamkeit bei mir zu bleiben, als ich ihm zeigte, wie wir die Geige zum Spielen vorbereiten.

Seine Unruhe hielt an. Bereits bei unserer Verbeugung zu Begrüßung – ja, genau wie in den asiatischen Kampfsportarten! – konnte er das Gleichgewicht nicht halten und kippte beinahe um. Nun, ich stellte mich darauf ein, dass Timo eine besondere Begleitung von mir brauchte und dass es wahrscheinlich ein längerer Weg sein wird, bis er die ersten schönen Töne spielen kann.

So war es dann auch. Timo war nicht in der Lage, sich länger als zwei Minuten zu konzentrieren. Für mich bedeutete es eine Herausforderung, mich erwartungsfrei auf die Situation einzulassen. Seine Mutter teilte mir dann auch bald mit, dass bei Timo ADHS diagnostiziert worden war und dass sie keine großen Hoffnungen in den Geigenunterricht legte. Sie wirkte resigniert.

Faszinierend war, dass Timo nicht aufgab, nie den Mut verlor, immer wieder versuchte, die Töne schön und richtig zu spielen. Er, dieser unbändige, wilde Junge, hatte wirklich Freude an der Beschäftigung mit der Geige! Und mit der Zeit machte er Fortschritte: Er war bald in der Lage, ein ganzes Lied auswendig durchzuspielen. Eine große Leistung, die ihn zu Recht mit Stolz erfüllte.

Timo war immer noch recht zappelig, aber es wurde ganz deutlich, dass er sich viel besser auf eine Sache konzentrieren konnte, als zu Beginn des Unterrichts! Im Gruppenunterricht fiel es ihm immer noch schwer, sich einzuordnen. Er machte Faxen und störte den Unterricht, wohl um seine Unterlegenheitsgefühle zu kompensieren. Ich habe dann versucht, ihn durch Aufgaben, die er gut bewältigen konnte, Mut zu machen. Es blieb schwierig. Wir haben dann beschlossen, mit dem Gruppenunterricht eine Weile zu pausieren, bis er sich beim Geige spielen ganz sicher fühlt.

Timo kam etwa ein Jahr zu mir zum Unterricht. Er hatte in der Zeit viele Stücke auswendig spielen gelernt. Als größten Erfolg sah ich, dass er nun in der Lage war, sich immer besser auf eine Sache zu konzentrieren. Es gab Phasen, in denen er wirklich ausgeglichen war. Und er hatte weiterhin Freude an seiner Geige!

Leider ist dies nun doch keine Erfolgsgeschichte. Seine Eltern waren mit seinen Fortschritten nicht zufrieden und meldeten ihn vom Unterricht ab. Schade!

 

*Der Name ist geändert.