Heute möchte ich eine ganz persönliche Erfahrung teilen:
Im Februar verbrachte ich ein Wochenende bei einem Seminar in Berlin. Berlin ist die Stadt, in der ich die längste Zeit meines Lebens verbracht habe. Da kommen schon Heimatgefühle und Erinnerungen auf.

In Berlin hatte ich auch meine erste Begegnung mit Geigenunterricht nach der Suzuki Methode. Das war für mich eine prägende, gewissermaßen sogar lebensverändernde Erfahrung.
Ich hole nun ein wenig aus, damit der rote Faden sichtbar wird:
In die Geige habe ich mich bereits als fünfjähriges Kind verliebt. Es dauerte dann noch einige Jahre, bis ich das Instrument in die Hände nehmen durfte und Unterricht erhielt. Diese Passion hat mich durch mein gesamtes Leben bis heute begleitet. Es war und ist eine echte Liebe: Geprägt durch Höhen und Tiefen, Zeiten der Trennung und das Wiederzusammenfinden.
Wie das Leben so spielt, bin ich seit gut sieben Jahren nun selbst begeisterte Geigenlehrerin.

Als ich selber Mama wurde, wollte ich diese Liebe meinen Kindern weitervermitteln. Das verlief zunächst ganz natürlich, denn meine Tochter wollte ebenfalls Geige spielen, weil ihre Mama davon ja so begeistert war. Nach der ersten Anfangseuphorie jedoch ließen der Eifer und die Lust am Üben nach. Ich konnte das verstehen, weil ich sah, dass die Musikstücke, die sie lernte, oftmals sicher didaktisch sinnvoll waren, aber die Seele und Musikalität nicht wirklich berührten.
Insgesamt kamen mir die Geigenschüler, die ich bei den Klassenvorspielen erlebte, häufig überfordert vor: Sie hatten zu kämpfen mit den doch recht diffizilen Bewegungsabläufen von Bogenarm und der linken Hand, die die Töne sauber greifen soll. Und dazu kam das Notenlesen…
So klang es dann auch: Etwas steif, angespannt und voller Angst vor dem nächsten Fehler, dem nächsten unsauberen Ton. Freude am Spiel war nicht wirklich zu spüren. Ich dachte mir, das musste doch anders, freudvoller gehen?
So machte ich mich auf den Weg, eine andere Herangehensweise an das Violinspiel zu suchen. Ich las Bücher, studierte Geigenschulen und konsultierte das Internet. Hier wurde ich schließlich fündig!
Geigenunterricht nach der Suzuki Methode bei einer sympathischen Lehrerin in Berlin. Meine Tochter und ich wurden gleich eingeladen zu einem Schülerkonzert.
Was ich dort erleben durfte, war eine andere Welt im Vergleich zu dem, was ich vorher kannte. Die Kinder im Alter von drei bis 15 Jahren haben mit Lockerheit, bewundernswerter Spieltechnik und großer Musikalität musiziert. Und das alles ohne Noten. Die Freude war ihren Gesichtern anzusehen.

Bald begann meine jüngste Tochter mit dem Geigenunterricht bei der netten Lehrerin. Meine Tochter war damals vier Jahre alt. Die Lehrerin hat ist ganz kleinen Schritten vorgegangen, so dass Geraldine in jeder Unterrichtsstunde Erfolg erleben durfte. Und mir hat die Lehrerin gezeigt, wie ich zu Hause mit meiner Tochter üben konnte. Der Unterricht war sehr spielerisch und dabei zielgerichtet. Bald schon konnte Geraldine im Gruppenunterricht tüchtig mitgeigen. Die anderen Familien, die wir dort trafen, waren sehr sympathisch. Alle, die Erwachsenen und die Kinder haben sich immer schon auf das Wiedersehen bei der nächsten Gruppenstunde gefreut. Eine tolle Motivation zum Dranbleiben und Üben.

Das Highlight war ein Workshop, zu dem viele andere Geigenkinder mit ihren Eltern anreisten. Die Kinder erarbeiteten gemeinsam neue Stücke, trommelten, tanzten und übten fleißig für das große Konzert am Ende des Workshops. Beim Abschlusskonzert stand jedes Kind, vom ganz kleinen Anfänger bis zum fortgeschrittenen Jugendlichen auf der Bühne. Ein ganz großer Erfolg, der bestimmt jedem der jungen Musiker in Erinnerung bleibt.
Nun, diese Erfahrungen haben vor sieben Jahren in mir bewirkt, die lange Ausbildung zur Suzuki Violinpädagogin zu durchlaufen. Eine gute Entscheidung: Ich liebe die Arbeit mit den Kindern und bin sehr dankbar für das Vertrauen der Familien!